Biosimilars in den Schweizer Apotheken

Biologika und Biosimilars spielen in Schweizer Apotheken eine immer wichtigere Rolle. Dabei stehen Apothekerinnen und Apotheker hierzulande den Biosimilars durchaus positiv gegenüber. Trotzdem gibt es verschiedene Informationslücken und Unsicherheiten bei der Abgabe der biologischen Arzneimittel. Das zeigt eine aktuelle Umfrage.

In der Schweiz und international zugelassene Biosimilars kommen mehrheitlich bei langandauernden Erkrankungen zum Einsatz. Bei der medizinischen Betreuung dieser chronischen Patienten*innen spielen die Apotheker*innen eine wichtige Rolle, auch wenn sie die Therapie nicht selbst verschreiben. Doch wie weit die Rechte und Pflichten der Apotheker*innen in diesem Bereich genau gehen sollen, darüber herrscht international keine Einigkeit. Darum hat sich ein Konsortium aus neun Ländern in Europa, Asien-Pazifik und den USA für eine gemeinsame Umfrage über Wissen, Ansichten und Informationsbedarf von Apotheker*innen zu Biologika und Biosimilars zusammengetan.

Zum Konsortium gehört auch die Schweiz. Die Umfrage wurde hier von der Forschungsgruppe Pharmaceutical Care der Universität Basel im Rahmen einer Masterarbeit durchgeführt. Rahel Schober befragte zwischen Januar und Mai 2020 schweizweit 128 Apotheker* innen, sowohl in Offizin- wie auch in Spitalapotheken. Die Resultate wurden im pharmaJournal vom März 2021 veröffentlicht und zeigen auf, was hiesige Apotheker*innen derzeit über Biosimilars denken und wissen.

Offen gegenüber Biosimilars

Die Befragten stehen Biosimilars positiv gegenüber. Nur 3.1% sind der Meinung, Biosimilars sollten nie zur Anwendung kommen. Den Nutzen der Biosimilars sehen die Apotheker*innen primär bei den Kosten: Zwei von drei Befragten möchten Biosimilars vor allem dann einsetzen, wenn sie den niedrigsten Preis haben. Etwas mehr als die Hälfte der Apotheker*innen fühlt sich ausreichend über Biosimilars informiert, um sie abzugeben (53,9%), sicher im Umgang mit Fragen von Patienten im Umgang mit deren biologischer Therapie (53,9%) und sicher in der Aufklärung über Nutzen und Risiken von Biosimilars (55,5%). Das entspricht zwar einer soliden Basis, zeigt aber auch, dass durchaus noch Luft nach oben besteht.

Auch Unsicherheiten identifiziert

Trotz der positiven Grundhaltung der Apotheker*innen gegenüber den Biosimilars, führt die Umfrage auch Unsicherheiten zutage. Diese beziehen sich auf die Natur der Biosimilars und die Austauschbarkeit. Zwar geben 80.5% der Befragten an, mit dem Begriff Biosimilar vertraut zu sein. Gleichzeitig meinen aber 41.4%, dass es sich dabei um generische, also identische Kopien von Originalpräparaten handelt – was nicht korrekt ist. Die richtige Antwort, nämlich «ähnliche Kopien», wissen 54.7% der befragten Apotheker*innen.

Darüber hinaus gibt es Wissenslücken bei der Austauschbarkeit, der sogenannten Substitution. Diese wird in der Schweiz bei synthetischen und biologischen Arzneimitteln nämlich unterschiedlich gehandhabt. Gemäss Krankenversicherungsgesetz können Apotheker*innen bei Ersteren ein ärztlich verschriebenes Originalmedikament durch ein Generikum ersetzen. Ein biologisches Originalpräparat durch ein Biosimilar zu ersetzen, ist den Apotheker*innen derzeit nicht erlaubt. Laut der Umfrage wissen dies aber nur 32% der Schweizer Apotheker*innen - unabhängig von der Sprachregion. Personen aus der Spitalapotheke, die auch häufiger Biosimilars abgeben als ihre Kollegen*innen in der Offizinapotheke, gaben hier häufiger die richtige Antwort an.

Weitere Schulungen sehr erwünscht

Die Resultate dieser Umfrage zeigen, dass Biologika und Biosimilars eine wichtige Rolle in den Schweizer Apotheken spielen – und es kommen laufend weitere Biosimilars auf den Markt. Entsprechend ist der Schulungs- und Informationsbedarf gross. Das haben auch die Apotheker*innen erkannt. Obwohl bereits 60,9% der Befragten eine Schulung zu Biologika absolviert haben, wünschen sich drei Viertel weitere Schulungen zu diesem Thema. Hier können die umfassenden und allgemein verständlichen Informationen auf unserer Webseite hilfreich sein. Mit dem Wissen über die immer wichtiger werdenden Biosimilars wächst nicht nur das Vertrauen der Apotheker*innen in diese Arzneimittel weiter, sondern auch die Beratungskompetenz– und damit der direkte Nutzen der Patienten*innen!

Hier geht es zum Artikel im pharmaJournal

Von Silvia Pasek & Roger Konrad, Network Biosimilars CH

 

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