Antikörper sind Wunderwaffen – als Original wie auch als Biosimilar

Antikörper sind in aller Munde. Denn diese körpereigenen Kammerjäger sind für unsere Gesundheit unverzichtbar. Ihre besondere Fähigkeit, bestimmte Oberflächenstrukturen von Zellen oder Viren treffsicher zu erkennen, rücken sie immer mehr ins Rampenlicht – und verhelfen uns zu immer besseren Therapien. Dazu zählen auch viele Biosimilars.

Wenn Sie in letzter Zeit den Begriff „Antikörper“ gehört haben, dann bestimmt im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie und dem sogenannten „Antikörper-Test“. Lassen sich im Blut Antikörper gegen das Sars-CoV-2-Virus nachweisen, bedeutet dies, dass die betreffende Person mit dem Virus in Kontakt war und ihr körpereigenes Abwehrsystem bereits in Aktion getreten ist. Gelangen nämlich Viren, Bakterien, Pilze oder andere Fremdstoffe in den Körper, lässt das Immunsystem als Antwort darauf passende Antikörper produzieren. Diese heften sich an vom Immunsystem als körperfremd erkannten Strukturen und sorgen so dafür, dass die Eindringlinge unschädlich gemacht werden. In der Regel sind Antikörper 15 Tage, nachdem die ersten Symptome einer Infektion aufgetreten sind, im Blut nachweisbar.

Gezielt gegen fremde Eindringlinge, ...

Antikörper spielen aber auch bei Impfungen gegen Infektionskrankheiten, wie beispielsweise COVID-19, eine Rolle. Entweder enthält der Impfstoff selbst die passenden Antikörper oder er beinhaltet unschädliche Bestandteile des Krankheitserregers. Diese machen zwar nicht krank, werden jedoch vom Immunsystem als körperfremd erkannt, sodass es beginnt, die schützenden Antikörper zu bilden. Dringt später der wahre Krankheitserreger, zum Beispiel ein Virus, in den Körper ein, wird er von den durch die Impfung gebildeten Antikörpern sofort erkannt. In beiden Fällen basiert der Impfschutz also auf der herausragenden Eigenschaft der Antikörper, „ihre“ Zielstruktur treffsicher zu erkennen und sich daran anzuheften.

... gegen körpereigene Krankmacher ...

Diese Treffsicherheit der Antikörper wird auch für die Behandlung schwerer chronischer Erkrankungen genutzt – in verschiedenen Fällen mit durchschlagendem Erfolg. Therapeutische Antikörper kommen bisher hauptsächlich bei Krebs und bei Autoimmunerkrankungen, wie beispielsweise Rheumatoider Arthritis, Multipler Sklerose, Morbus Crohn oder Psoriasis, zum Einsatz. Sie greifen gezielt, und darum verhältnismässig nebenwirkungsarm, in die krankmachenden körpereigenen Vorgänge ein.

Bei Autoimmunerkrankungen richtet sich das Immunsystem aufgrund einer Fehlfunktion gegen körpereigenes Gewebe – durch die Produktion von Abwehrzellen und entzündungsfördernden Stoffen. Antikörper sind die ersten Arzneimittel, die gezielt in diese entzündlichen Vorgänge eingreifen. So kann beispielsweise eine einzige Infusion eines Antikörpers ausreichen, um über mehrere Wochen hinweg die entzündungsfördernden Stoffe zu binden, so ihre Funktion zu blockieren und die Erkrankung zu lindern.

Bei Krebs tragen modernste, Antikörper-basierte Therapien mit dazu bei, dass immer mehr Betroffene eine Krebserkrankung überleben. Antikörper können helfen, Krebszellen aufzuspüren, um sie gezielt zu vernichten, oder sie helfen, die unkontrollierte Vermehrung der Krebszellen zu unterbinden. Letzteres erreichen sie, indem sie gezielt an die Rezeptoren für Wachstumsfaktoren binden und sie blockieren. So unterbleibt das Signal der Wachstumsfaktoren, welches die Krebszellen für ihre Vermehrung brauchen.

... und gegen hohe Medikamentenkosten!

Antikörper bieten dank ihrer Eigenschaften nicht nur beste Voraussetzungen für die Behandlung von neuen Infektionskrankheiten wie COVID-19, sondern auch für bedeutende Vorschritte bei der Behandlung von schweren chronischen Erkrankungen. Laufend kommen neue Antikörper-Therapien auf den Markt. Ob all dieser Innovationen geht manchmal etwas unter, dass die ersten Antikörper-Therapien mittlerweile schon so lange auf dem Markt sind, dass ihr Patentschutz ausgelaufen ist. Das bedeutet, dass Nachahmerprodukte, die Biosimilars, entwickelt und verkauft werden können. Von den derzeit 29 in der Schweiz zugelassenen Biosimilars handelt es sich bei 13 Präparaten um einen Antikörper. Doch sie kommen leider nur selten zum Zug.

Würden vermehrt die Biosimilars anstelle der Originalpräparate eingesetzt, liesse sich viel Geld sparen. Antikörper sind nämlich wegen ihrer komplexen Entwicklung und Herstellung in der Regel eher teure Therapien. Bei den Biosimilars fällt die Entwicklung hingegen viel einfacher aus. Darum können sie im Vergleich zum Original deutlich günstiger angeboten werden, bieten jedoch dieselbe Wirksamkeit, Sicherheit und Qualität. Mit ihrem Sparpotenzial schaffen die Biosimilars freie Ressourcen für die Entwicklung neuer Antikörper-basierter Ansätze, um noch ungelöste medizinische Probleme anzugehen.

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