Viel ungenutztes Sparpotenzial

Die Gesundheitskosten steigen laufend. Jede und jeder merkt es an den Krankenkassenprämien. Neben anderen Faktoren treibt auch die steigende Zahl von neuen, verhältnismässig teuren Therapien die Kosten nach oben. Der Einsatz von Biosimilars könnte bei den Medikamentenkosten Entlastung bringen. Es bestünde ein Sparpotenzial von über 100 Millionen Schweizer Franken pro Jahr. Doch ausgeschöpft wird es bisher nur zu einem Bruchteil.

Warum helfen Biosimilars beim Sparen?

Biosimilars sind bei Markteintritt mindestens 25% günstiger als ihr Original. Somit gilt: Je häufiger ein Biosimilar anstelle eines Originalmedikaments eingesetzt wird, desto mehr wird bei den Gesundheitskosten und damit zugunsten der Prämienzahler gespart. Das theoretisch mögliche Sparpotenzial hängt davon ab, wie viele Biotechnologie-Medikamente ihren Patentschutz verlieren, wie viele Biosimilars für den Verkauf zugelassen sind und wie häufig sie eingesetzt werden. Für Letztere ist massgebend, ob Arzt und Patient sich tatsächlich für ein verfügbares Biosimilar anstelle des Originalmedikaments entscheiden.

Wie viel lässt sich mit Biosimilars sparen?

Schätzungen gehen von einem aktuellen jährlichen Einsparpotenzial bei den Medikamentenkosten von rund 100 Millionen Schweizer Franken aus.* Mit dem Patentablauf vieler Biologika in den kommenden Jahren wächst dieses theoretisch mögliche Sparvolumen weiter an.

Soviel zur Theorie. Doch wie viel sparen wir heute tatsächlich, indem wir die günstigeren Biosimilars anstelle der teureren Originalpräparate einsetzen? Rund 15% dessen, was möglich wäre! Zu Lasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) konnten im Jahr 2019 so nur gerade 14.6 Millionen Schweizer Franken eingespart werden. Darum ist es so wichtig, dass mehr Biosimilars anstelle der teureren Originalpräparate zum Zug kommen.

 

* aus: Biopharmazeutika und Biosimilars, bwa consulting, Bern
Andere Berechnungen:
Helsana-Arzneimittelreport für die Schweiz 2019: über 45 Millionen Schweizer Franken
Biosimilars in der Schweiz, Expertenbericht des Winterthurer Instituts für Gesundheitsökonomie (WIG): 58 Millionen Schweizer Franken über 3 Jahre für sechs ausgewählte Wirkstoffe

Welche Rolle spielen mittels Biotechnologie hergestellte Medikamente in der Versorgung?

Seit ihrer Einführung Ende der 1990er-Jahre haben die Biologika die Prognose vieler Patienten in der Schweiz massgeblich verbessert. Besonders in der Rheumatologie, der Gastroenterologie, der Dermatologie sowie der Onkologie spielen diese Präparate heute eine wichtige Rolle. Neue innovative und hoch wirksame Behandlungen kommen laufend hinzu.

Die aufwändigen Entwicklungs-, Herstellungs- und Zulassungsprozesse der Biologika spiegeln sich jedoch in hohen Therapiekosten wider. Gemäss Helsana-Arzneimittelreport 2019 waren von den 15 kostenintensivsten Arzneimitteln im Jahr 2018 deren 8 Biologika. Und der Biologika-Markt wächst von Jahr zu Jahr. Im Jahr 2019 betrug der Umsatz mit kassenzulässigen Biologika gut 1.6 Milliarden Schweizer Franken. Das sind 10.5% mehr als im Vorjahr. Täglich werden 98 Millionen Dosen an Biologika verbraucht. Dies entspricht zwar nur 2% aller abgegebenen Tagesdosen, doch bezogen auf die Kosten ist der Biologika-Anteil deutlich höher: Wertmässig machen Biologika 24% des Erstattungsmarktes aus.

 

Quellen:
- Biopharmazeutika und Biosimilars, bwa consulting, Bern
- Helsana-Arzneimittelreport für die Schweiz 2019

Warum sind Biosimilars günstiger?

Die Entwicklungs- und Zulassungsprozesse sind bei einem Biosimilar kürzer als seinem Originalpräparat. Darum kann das Biosimilar günstiger angeboten werden. Damit ein Biosimilar zulasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) als wirtschaftlich gilt und die Kassenzulässigkeit in der Schweiz erhält, muss es bei Markteintritt mindestens 25% günstiger sein als sein Original.

Biosimilars bedeuten also: gleiche Leistung zu einem günstigeren Preis! Strikte Auflagen der Zulassungsbehörde Swissmedic stellen sicher, dass das Biosimilar eine vergleichbar wirksame und sichere, sowie qualitativ hochstehende Behandlungsalternative zum Original bietet.*

 

* Bei der Zulassung eines Biosimilars muss der Hersteller belegen, dass das Biosimilar «einem Referenzpräparat bezüglich Struktur, pharmazeutischer Qualität, biologischer Aktivität, Wirksamkeit, Sicherheit und Immunogenität genügend ähnlich ist, um relevante klinische Unterschiede mit genügender Sicherheit auszuschliessen.» (Swissmedic, Wegleitung Zulassung Biosimilars HMV4, Version 3.0 vom 1.1.2020)

 
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